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Worte (be)wirken mehr als du denkst

Wir benutzen unsere Sprache, ohne uns der Bedeutung der Worte bewusst zu sein!
Sprache fasziniert mich. Meine Beziehung zur Sprache ist nicht nur beruflicher Natur. Sie geht einher mit meiner persönlichen Entwicklung. Als Jugendliche schrieb ich Gedichte, um meine Gefühle zu verarbeiten. Es gab Zeiten der Sprachlosigkeit und Ohnmacht. Da war das Schreiben für mich eine Art Ventil. Als Hobbymusikerin schrieb ich Songtexte. Als Journalistin begann ich Geschichten zu schreiben. Und als Texterin lernte ich, den Umgang mit dem Wort bewusst einzusetzen, um Menschen und inzwischen auch (Such-)Maschinen zu erreichen.

Als Texterin habe ich großen Respekt vor der Sprache
Die Worte, die wir verwenden, haben mehr Wirkung, mehr Bedeutung und enthalten mehr Wahrheit als wir es tatsächlich wahrhaben wollen. Dazu gibt es aufschlussreiche Studien, z. B. vom Max-Planck-Institut. Insbesondere die Wirkung von Metaphern, den so genannten Sprachbildern, wurde nachgewiesen. Eine wichtige Erkenntnis ist: Ob wir Texte lesen oder hören, unser Körper schlägt immer aus.

Am Anfang war das Wort (aus dem Johannes-Evangelium)
Und jedes Wort hat eine Schwingung. So wie alles eine Schwingung hat. In der Quantenmechanik heißt es: Alles im Universum schwingt, hat seine eigene Wellenlänge – Musik, Licht, Worte, Gedanken … Masuro Emoto, ein Japanischer Forscher, machte über die Dunkelfeldmikroskopie Schwingungen im Wasser sichtbar. Dafür wurde das Wasser eingefroren und es zeigten sich unterschiedliche Kristalle – je nach Schwingung. Dabei untersuchte er nicht nur unterschiedliche Wasserqualitäten, sondern beschallte das Wasser z. B. mit Heavy-Metal-Musik oder klassischer Musik. Einmal stellte er 24 Stunden lang das Wasser auf geschriebene Worte. Beim Wort „Dummkopf“ sah das Kristall eher unförmig aus. Begeisterung lösten dagegen die Worte „Liebe und Dankbarkeit“ aus. Mit diesen Worten zeigten sich die schönsten Wasserkristalle. Als ich das las, schloss sich für mich der Kreis. Noch ein Grund mehr, warum Worte auf den Menschen so eine starke Wirkung haben. Immerhin bestehen wir Menschen zu einem Großteil (70 – 80 Prozent) aus Wasser. Das heißt, die Schwingungen wirken auch auf den menschlichen Körper. Im Wortlaut von Professor Dr. Winfried Menninghaus, Forscher am Max-Planck-Institut: „Das Gehirn schwingt mit.“

Es gibt einen Text aus dem Talmud, ein bedeutendes Schriftwerk des Judentums, der es auf den Punkt bringt:

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden zu Worten.
Achte auf deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden zu deinem Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn wer wird dein Schicksal.

Auf die Worte achten – auch in der Selbsdarstellung
Das gesprochene oder geschriebene Wort steht am Anfang all dessen, was in Handlung mündet. Dazu gehört auch die Sprache in der werblichen Selbstdarstellung. Wie präsentiere ich mich in Text und Bild – auf meinen Webseiten, in meinen Werbeanschreiben, den Broschüren? Manchmal wird von Werten und von Nachhaltigkeit gesprochen, von Mitarbeiter- oder Kundenorientierung. Gleichzeitig will man „die Bindung von Arbeitskräften“ oder die „Kundenbindung“ herbeiführen. Das klingt eher nach Konzept, statt nach Haltung.

Ich plädiere dafür und übe mich selbst darin, den eigenen Worten mehr Bedeutung zu geben, … ihnen mehr Aufmerksamkeit zu schenken (auch, um sich selbst auf die Schliche zu kommen). Denn so, wie es der Text aus dem Talmud wunderbar auf den Punkt bringt, beginnt alles bereits mit den eigenen Gedanken, die die eigene Haltung wiedergeben. Für eine authentische und klare Kommunikation ist es wichtig, eine gewissen Sprachsensibilität zu entwickeln. Gleichzeitig entschleunigen wir dabei, wenn wir beim Sprechen mal einen Gang zurückschalten.

Zum Thema empfele ich die Bücher von Mechthild Roswitha Scheurl von Defersdorf sowie die Seminare ihres Institutes für bewusste Sprache „Lingva Eterna“. Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit, diese Trainerin bei einem Vortrag in Münster zu erleben. Sie brachte darin sehr anschaulich zum Ausdruck, wie wir uns mit eigenen Redewendungen selbst in Stress versetzen. Und wie wir umgekehrt durch gezielte Veränderungen in unserer Rede, unser Leben zum Positiven verändern können.

Hinhören, auf die eigenen Worte hören, aufmerksam lesen, was man selbst schreibt oder was andere schreiben. Sich nicht blenden lassen von Phrasen, Kunstworten und Metaphern (insbesondere im politischen Kontext). Jeden beim Wort nehmen und sich auch mal trauen, den anderen darauf aufmerksam zu machen, wie seine Worte bei einem selbst ankommen, auch wenn dieser das alles nicht für „kriegsentscheidend“ hält oder aus Zeitgründen den Gesprächspartner nun besser „abwürgen“ möchte. „Ach, das habe ich doch nicht so gemeint!“ Wenn ich etwas so nicht meine, warum sage ich es nicht so, wie ich es meine? Insbesondere dann, wenn ich doch in dieser Sprache, unserer so schönen deutschen Sprache der Dichter und Denker, zuhause bin?

Experimentieren und ausprobieren
Ich bin und bleibe selbst eine Übende. Ich nehme wahr, probiere aus, experimentiere und erfreue mich an dem, was mir der Umgang mit Sprache bietet und was ich selbst dabei lerne und entdecke. „Sagen möchte ich euch daher nur noch das eine: Ich wähle die Worte, die ich meine.“