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Warum ich nichts von Kundenbindung halte

Kunden finden, Kunden binden. Klingt für mich unglücklich. Klingt nach Gefangennahme.

So, jetzt hab‘ ich dich. Jetzt binde ich dich (fest). Gibt es auch in Partnerschaften. Hier wird gesucht, gefunden und … gebunden. Am besten lebenslänglich – auch, wenn die Liebe schon längst gegangen ist.

Ich will ungebunden bleiben. Und meinen Kunden wünsche ich das auch, dass sie sich ungebunden fühlen. Sowohl in der Partnerschaft als auch in der Kundenbeziehung halte ich es für natürlicher und gesünder, wenn jemand aus freien Stücken bleibt. Wenn sich jeder zu jeder Zeit darüber bewusst ist, dass er die Wahl hat, zu gehen oder zu bleiben. Das bedeutet, dass man sich nie sicher sein kann. Ist auch gut so. Wie viele Männer und Frauen in Partnerschaften lassen sich irgendwann ziemlich gehen – gegenüber sich selbst und gegenüber dem anderen. Bei Unternehmen im Umgang mit deren Kunden ist das ähnlich.

Inzwischen verändert sich das Bewusstsein. Immer mehr Firmen wissen, es reicht nicht aus, einmal einen Kunden gewonnen zu haben. „Wer einmal kauft, kauft immer“, das gilt nicht mehr. Dafür ist der Wettbewerb zu groß. Und alle(s) so nah beieinander. Der Wettbewerber ist nur einen Klick entfernt. Lob und Tadel werden freimütig über die sozialen Netzwerke verbreitet. Wobei unzufriedene Kunden lauter agieren, weil sie sich in ihren Bedürfnissen und Wünschen nicht ausreichend wahrgenommen fühlen. Über Zufriedenheit spricht man nicht. Zufrieden ist man einfach. Und – genießt still.

Damit der andere mein Produkt, meine Dienstleistung oder auch das Zusammensein mit mir wählt, sollte er sich mit mir oder mit dem Produkt, der Dienstleistung grundsätzlich wohlfühlen. Dafür kann ich als Unternehmerin ebenso wie als Partnerin etwas tun. Das hat nichts mit Bindung zu tun. Bindung geht in Richtung Knebeln – wie es z. B. bei manchen Fitness-Studioverträgen immer noch der Fall ist.

Wenn ich jemanden begeistere und es schaffe, ihn zu halten, mit meiner Aufmerksamkeit, mit meinem genialen Service rund ums Produkt, mit meiner Liebe zu ihm als Partner, dann wählt er mich – der Kunde, der Partner. Nicht, weil er sich gebunden, sondern weil er sich verbunden fühlt. Daher füge ich dem Wort Kundenbindung nur drei Buchstaben mehr hinzu und es wird daraus die Kundenverbindung. Nur drei Buchstaben mehr, die doch für ein ganz anderes Bewusstsein stehen.

Auf gute Verbindungen!